Der Stadtrand ist ein widersprüchlicher Ort. Weder klar Stadt noch klar Land, vereint er das Dazwischen: viel Raum, aber wenig Dichte; Nähe zur Natur, aber oft monotone Bebauung; Potenzial und Vernachlässigung zugleich. Diese Ambivalenz bildet den Ausgangspunkt für eine architektonische Suche nach einer offenen Wohnstruktur – nicht als starre Form, sondern als Typologie, die situativ, adaptiv und dennoch mit konzeptioneller Klarheit reagiert.
Die Arbeit untersucht verschiedene Stadtrandsituationen am konkreten Beispiel Berlins. Mich interessiert die Spannung zwischen dem Lokalen und dem Universellen: Stadtränder unterscheiden sich in ihrer Bebauung, wirken jedoch oft erstaunlich gleich. Wenn man ein typisches Foto vom Stadtrand macht, ist schwer zu sagen, ob es in Berlin, Wien oder Paris aufgenommen wurde. Dieser Gleichförmigkeit begegnet der Entwurf mit einer anpassungsfähigen Struktur, die nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden wird.
Mein Vorgehen gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Phasen: Alles beginnt mit einer begrifflichen, räumlichen und sozialen Annäherung an den Stadtrand. Eigene Beobachtungen, Fotografien, Zeichnungen und Texte verdichten sich dabei zu einer räumlichen Grammatik in Form von neun Prinzipien. Aus dieser Basis heraus entwickle ich eine adaptive Wohntypologie. Diese untersuche ich an verschiedenen Stadtrandsituationen – von Großwohnsiedlungen und kleinteiligen Einfamilienhäusern bis zu industriellen Randlagen und monofunktionalen Wohngebieten. Abschließend erprobe ich diese Prinzipien vertiefend in einem konkreten Entwurf. Entscheidend ist dabei nicht die Typologie des Ortes selbst, sondern die Fähigkeit des Entwurfs, sich auf unterschiedliche Kontexte einzulassen, ohne beliebig zu werden.
Im Fokus steht eine Architektur der Übergänge zwischen Innen und Außen, Stadt und Natur, Individuum und Kollektiv. Schwellenräume wie Erker, Höfe oder Laibungen organisieren Licht, Luft und soziale Interaktion. Eine Architektur, die nicht überformt, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert und sich dabei klar zum Ort verhält, ohne sich ihm völlig zu unterwerfen. Natur fungiert nicht als Kulisse, sondern als Maßstab für Ordnung und Klarheit. Die Struktur kooperiert mit Klima, Gelände und Jahreszeiten. Ziel ist eine unaufgeregte, robuste Alltagsarchitektur, die sich über Zeit bewährt.
Schritt 1
Schritt 2
Schritt 3